Thomas, Florian

© Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V.  2020

Florian Thomas

Firenze Zurigo, 2001

Acryl auf Leinwand, 30 x 220 cm

Durch die GMKD aus der Galerie

Wittenbrink, München, erworben,

seit 2003 als Leihgabe in der

Galerie Neue Meister

Eine filmreife Kulisse aus den 1950er Jahren wird dem Betrachter hier vor Augen geführt. Der Titel bezieht sich auf ein im Bild dargestelltes Straßenlokal namens „Bar Zurigo“ in Florenz. Die Szenerie wirkt trotz aller Statik der vor einer markisengesäumten Schaufensterzeile parkenden Autos enorm dynamisch, was vor allem durch die Diagonale der monochrom grauen Fahrbahn bewirkt wird. In der Verwendung eines extrem schmalen querrechteckigen Bildformats steht Florian Thomas nicht zuletzt in der Tradition der Münchner Landschaftsmalerei des mittleren und späten 19. Jahrhunderts. Künstler wie Eduard Schleich übernahmen in dem so genannten „Handtuchformat“ die Proportionen der damals populär gewordenen Panoramen. Das Zusammenspiel von Malerei und Fotografie steigert sowohl die Weite des Blickwinkels als auch den visuellen Reiz solcher Werke. andreas dehmer (aus dem Buch GMKD25)

S. Maria delle Grazie, 2006

Acryl auf Leinwand, 40 x 220 cm

Durch die GMKD aus der Galerie

Wittenbrink, München, erworben, seit

2007 als Leihgabe in der Galerie Neue

Meister

Viele Motive von Florian Thomas beruhen auf bildhaften Quellen, aus denen Maler seiner Generation, so auch Martin Borowski, Eberhard

Havekost oder Johannes Kahrs, bevorzugt schöpfen: fotografische Vorlagen wie Postkarten oder Amateuraufnahmen. Die virtuose Transformation

solcher Bilder in das Medium der Malerei bringt kollektive Sehgewohnheiten und Vorstellungswelten ins Wanken. „S. Maria delle Grazie“ von 2006

zeigt Westfassade und Südwand der berühmten spätgotischen Backsteinkirche in Mailand, für die Leonardo da Vinci sein berühmtes Wandge-

mälde „Das Letzte Abendmahl“ geschaffen hat. Die Piazza davor, an der Mündung zum Corso Magenta, ist belebt durch den Alltag der 1960er

Jahre. Der gewählte Ausschnitt (das extrem schmale Querformat verwendet Thomas des Öfteren, so auch bereits 2001 in „Firenze Zurigo“

für eine Straßenszene in Florenz) verzichtet auf die komplette Darstellung des bekannten Architekturdenkmals. Die Kirche ist Teil des Alltäglichen.

Der starke Flächenkontrast von Licht und Schatten verdeutlicht, dass die Malerei des in München lebenden Künstlers bei aller Gegenständlichkeit

immer auch mitgeprägt wird von abstraktem Farb- und Formdenken. andreas dehmer (aus dem Buch GMKD25)

GMKD

Erwerbungen der Gesellschaft

S. Maria delle Grazie. 2006 Firenze Zurigo, 2001