Lassnig, Maria

© Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V.  2020

Maria Lassnig

Kriegskinder. 1960/61

Bezeichnet rechts unten: Lassnig 62

Öl auf Leinwand, 115,5 x 88,5 cm

Durch die GMKD aus der Galerie Busche, Berlin, erworben; seit 1999 als

Leihgabe in der Galerie Neue Meister

Angetrieben durch „body awareness“, bestimmte Gefühle in ihrem Körper, malte Maria Lassnig die roten Linien als Grenzen zwischen innen und außen. Die weiße Bildfläche ist weder glatt noch sauber: Durchschimmernde, im Schaffensprozess übermalte Unterzeichnungen wirken wie Adern unter der Haut. „Weil das Aufspüren der gefühlten Körpersensationen und ihrer Orte, die man auf die Leinwand projizieren will, [...] schon schwierig genug ist, habe ich mich bei der Farbe am Anfang auf Monofarben beschränkt, einfaches Rot meist, zuerst für die Umrisse, dann, als plastische Modellierung, ein Schmerzensrot, rot ist der Körper, wenn man ihm die Haut abzieht, rot ist die Farbe für Halt.“ (Lassnig, 1985) Beeindruckt von den tiefgreifenden Errungenschaften des frühen Informel, begann die Malerin Anfang der 1960er Jahre in Paris die Reihe der eindringlichen „Strichbilder“, die jedoch keine rein abstrak-ten Formen darstellen, sondern stets einer gewissen Gegenständ-lichkeit verhaftet sind. In derartigen „Spannungsfigurationen“ – so ein Werktitel aus dieser Serie – legte sie schonungslos eigene innere Befindlichkeiten offen. Eine Ausstellung mit Maria Lassnig im Albertinum 1996/97 stellte die „Kriegskinder“ der gleichformatigen Arbeit „Die blaue Blume der Romantik“ (1960/61) gegenüber, und in der Tat wirken beide wie zusam-mengehörende Pendants. Steht das von Novalis um 1800 geprägte Sinnbild der Romantik schlechthin für das sehnsüchtige Verlangen nach innerer Vollendung und Einheit, thematisiert das Gemälde „Kriegskinder“ einen komplementären Gegensatz: die Zerrissenheit, Ängste und trauma- tischen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges. andreas dehmer (aus dem Buch GMKD25)
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