Trockel, Rosemarie und Odenbach, Marcel

© Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V.  2020

Rosemarie Trockel und

Marcel Odenbach

Hitzefrei. 2000

Aluminium, Stoff, Pappe, Velourteppich, Wandfarbe,

2 Videofilme auf DVD,

350 x 450 cm (Zelt)

Durch die GMKD aus der Galerie Crone, Berlin,

erworben, seit 2007 als Leihgabe in der Galerie

Neue Meister

Der Raum: das Zelt – das Ornament: der rotkarierte Baumwollstoff – die Schrift: „Hitze“ und „FREI“ – und die Geschichte(n), vorgeführt in den ganz in Schwarz-Weiß gehaltenen Filmse-quenzen der Collage von Marcel Odenbach oder den in Orange- Weiß leuchtenden, mehr abstrakt formalisierten Naturaufnahmen von Tieren, Pflanzen und Ornamenten von Rosemarie Trockel, sind die prägenden Elemente dieser Gemeinschaftsarbeit. Das rechteckige Zelt mit dem rotkarierten Markisenstoff hat nicht nur durch seine Signalfarbe eine große Anziehungs-kraft. Gerade dadurch, dass es als Gehäuse etwas verbirgt, das es nur preisgibt, wenn man in das Zelt eintritt, erhält die Arbeit „Hitzefrei“ etwas Geheimnisvolles, das auf Entschlüsselung wartet. Als Geheimnis im Kasten steht das Zelt in einer langen mythologischen und kunsthistorischen Tradition: von König Blaubart bis Marcel Duchamp. Auch wenn der direkte Bezug zur Kunst von Alfred Hitchcock nicht gegeben ist, so lässt sich das Thema des Voyeurismus unschwer entdecken. Tritt man in das Wüstenzelt ein, so blickt man auf zwei projizierte Filme, die als Dialog in das Thema einführen: „Hitzefrei“. Während die von Marcel Odenbach zu einer fünf Minuten langen Filmcollage zusammenmontierten Sequenzen zeigen, wie die Gesellschaft sich bei „Hitze“ verhält: „sie geht baden“, begleitet die „synchron ablaufende und als abstrakte Reaktion gemeinte“ (Text Galerie Crone) Bildfolge von Rosemarie Trockel als zweite Stimme den „Zeltchoral“. Während die erste Stimme gewissermaßen kulturkritisch vor Augen führt, wie zu verschiedenen Zeiten mit Freizeit und Nacktheit umgegangen wurde und wird, weist die zweite Stimme den Weg in das Außersichsein bei großer Hitze. Die Reihe der flächig auftretenden Symbol-Formen führt von den kreisenden Rädern, die auch an Ventilatoren erinnern, über die Tentakel-ähnlichen Greifarme der Quallen bis hin zu den Wimperntier- chen, die wie Nachbilder im Auge – nach dem Blick in das zu helle Licht – flirrend und schwirrend erscheinen. Außer dem gemeinsamen Ort verbindet die beiden Filmstreifen die synchronisierte Tonspur: das Zirpen der Grillen, die Räder der Eisenbahn, Badegeräusche aus einem öffentlichen Schwimmbad, das Umbrechen der Wellen am Meer und schließlich das Betörende von Gustav Mahlers Adagio aus der Fünften Sinfonie, die Filmmusik in Viscontis „Der Tod in Venedig“. Begleitet wird dieser Dialog der zwei Stimmen von einem Beobachter, einem afro- amerikanischen Freund von Marcel Odenbach, Kevin, der immer wieder zwischen den einzelnen Badeszenen auftaucht, auf dem Obersalzberg mit Eva Braun im Hintergrund und zwei Jungs in der Zinkbadewanne, am Meer in der Bretagne in Tatis Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“, auf einem FKK-Strand am Wannsee und schließlich auf dem Lido, dem zentralen Schauplatz von Thomas Manns Venedig-Roman. ulrich bischoff (as dem Buch GMKD25)
GMKD

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