Petrovsky, Wolfgang

© Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V.  2020

Wolfgang Petrovsky

"Kein sphärisches Ereignis/für Fred Thieler", 1997

Collage übermalt, 106 x 78,5 cm

Mit einer Sonderspende von Hansfried Defet durch die GMKD von der

Künstlerin erworben, seit 2011 als Leihgabe in der Galerie Neue Meister

Wolfgang Petrovskys vielschichtige und zeichnerische Collagen laden ein zur intensiven Betrachtung und zum konzentrierten Spurenlesen; das dabei Entdeckte ruft zahlreiche Assoziationen zur Geschichte, Literatur, Kunst oder Politik hervor. Setzen sich zwei der bekannten Collage-Bilder Petrovskys von 1984, die sich ebenfalls im Besitz des Albertinum befinden, offensichtlich mit deutscher Geschichte auseinander, bedarf diese Arbeit eines genaueren Blickes. Gewidmet ist das Werk dem deutschen Informel-Maler Fred Thieler (1916–1999), bekannt für seine spannungsreichen Kraftfelder aus Farbe, mitunter „von nicht endender Seligkeit des Blaus“ (Will Grohmann über „Summer Festival“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.1962). „Kein sphärisches Ereignis“, in negierender Abwandlung eines Thielerschen Werktitels von 1982, zeigt die subtil- ironische Seite Petrovskys und bedeutet zugleich, dass sich der Künstler aus Freital zwar intensiv mit der Malerei bzw. dem Farbenfluss des Königsbergers beschäftigt, aber doch auch die Grenzen dieser Arbeitsweise für sich erkannt und bewusst aufgebrochen hat. Den häufig konstruktivistisch gebauten und grafischen Formen Petrovskys erscheinen Thielers Bildstrategien geradezu entgegengesetzt. Ließ der Mitbegründer der Gruppe „ZEN 49“ die Farbe spontan und frei über den Bildträger strömen, um atmosphärische Assoziationen entstehen zu lassen, barg dieser werkpoetische Ansatz für den politischen Querdenker Petrovsky zu wenig Aussage. Also integrierte er Reste einer DDR-Fahne, collagierte sie mit verschiedenen anderen Materialien in das mit Thielers Handschrift begonnene Bild hinein – „Und auf einmal“, so der Künstler, „war Inhalt da!“. Ohne mühsame Bedeutungsschwere wird das Symbol des verflossenen deutschen Staates vom Strom der Farben mitgerissen, überspült, dem Untergang geweiht. Nicht nur von bloßer Menschenhand, vielmehr durch eine aturgewalt scheint die Geschichte geschrieben. andreas dehmer/konstanze krüger (aus dem Buch GMKD25)
GMKD

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