Loy, Rosa

© Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V.  2020

Rosa Loy

Rezeption, 2003

Bezeichnet rechts unten: LOY 03 Kasein auf Leinwand, 170 x 210 cm

Durch die GMKD aus der Galerie Wilma Tolksdorf, Frankfurt/Main, mit

Unterstützung der Walentowski Galerien erworben; seit 2004 als

Leihgabe in der Galerie Neue Meister

Die Welt der Rosa Loy lebt von verzauberten Menschen, Dingen und Räumen, die in einer offenen Malerei zu rätselhaften Geschichten verknüpft sind. Die „Rezeption“ gibt Einblick in ein auf den ersten Blick vertrautes Ensemble: die Dame hinter dem Empfangstresen, die bequemen Sessel, auf denen sich die Gäste tummeln, die roten lärmdämmenden Teppiche und natürlich die prachtvolle Zimmerpflanze. Bei näherem Hinsehen löst sich der Hintergrund auf in einer Wendel- treppe, deren Stufen sich von der Mittelachse lösen. Sie dient einem Hotelboy – wie aus der Bildwelt von Max Beckmann entlehnt – als gefährliche Wegstrecke, die sich in einer imaginären Landschaft verliert. Die „Rezeption“ ist der Ort, wo die Reisenden ankommen, wo sie inne- halten in ihrem Mobilitätsdrang, ein Ort der Einkehr, an dem sich auch die Bewegungsströme treffen und kreuzen, wie die Bahnen des pompösen roten Teppichs in der unteren Mitte des Bildes. Auch die Maßstabsverschiebungen tragen wesentlich zur Verzauberung bei. An zentraler Stelle, auf der Kreuzung der beiden Teppichbahnen, steht eine verkleinerte Frauenfigur in elegantem Kostüm. Sie trägt zwei Rollen, wie sie für den Transport von Architekturplänen Verwendung finden, aber in einer Weise, dass man unweigerlich an den Umriss eines in Anschlag gebrachten Maschinengewehres erinnert wird. Und fast immer handelt es sich um die gleiche blonde Frau, die hier in mehreren Rollen agiert, so wie auch die drei brünetten Frauen in der Lounge. An diesem Ort des Austausches wird wie in Trance oder wie in einem Kriminalstück ein Katalog der Kommunikationsformen aufgeblättert. Diese beunruhigenden Traumbilder werden einzig und allein stabilisiert und beruhigt durch die trockene Malweise der altertümlichen Kaseinmalerei, die an die Bilder der italienischen Frührenaissance erinnert. ulrich bischoff (aus dem Buch GMKD25)
GMKD

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