Swansea, Ena

© Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V.  2020

Ena Swansea

Frozen Ocean, 2006

Öl auf Leinwand, 122 x 152,5 cm

Durch die GMKD aus der Galerie Crone, Berlin,

erworben, seit 2007 als Leihgabe in der Galerie

Neue Meister

Über die Bilder der amerikanischen Malerin Ena Swansea sagt ihr Kollege Luc Tuymans, sie erschie- nen, als wären sie einer Zersetzung durch die Zeit erlegen. Diese Wirkung erzielt Swansea, indem sie ihre Leinwände mit Grafit grundiert, bevor sie mit Ölfarbe darauf malt. Der Farbauftrag ist durchscheinend und der Pinselstrich bemerkens- wert breit. Dass bei einer solchen Präsenz des Duktus überhaupt ein derart realistischer Eindruck entsteht, liegt an der grafischen Struktur der einzelnen Farbschlieren. Sie schmiegen sich an die dargestellten Formen, als wollten sie diese model- lieren. Die schwärzlich-grau schimmernde Grundierung scheint überall durch. Die Farbspuren – oft in hellen Pastelltönen wie rosa gelb oder grün – stehen wie Irrlichter auf diesem in die Tiefen flüchtenden Grund. So erstreckt sich Swanseas Malerei in zwei Richtungen, durch das in der Ferne davoneilende Schwarzgrau und die hervorspringenden hellen Farben, die dem Motiv Gestalt geben. Dazwischen entfaltet sich eine Leere, die ans Unheimliche grenzt. Es ist in etwa so wie bei Filmen, in denen Unsichtbare ihr Unwesen treiben. Um ihre Position im Bild zu markieren, greift der Film zu Kleidungsstücken, die den nicht sichtbaren Körper umhüllen, oder Gegenständen, die der Unsichtbare hält. Auch bei Swansea haust das Unheimliche in der Leere. Die silbrige Oberfläche des Grafit macht das Gemälde zu einem Spiegel, wie die Malerei den dargestellten Boden, auf dem sich die kleine einsame Figur bewegt, zur Eisfläche. In beiden wird gleichermaßen Licht lebendig. Swanseas Bilder zeigen das moderne Leben in den Städten, dazu gehört auch die Vereinzelung des Individuums. Im sie umgebenden Raum erscheint die Gestalt mit ihrer roten Jacke verloren. Doch bildet sie zugleich den Fluchtpunkt einer Lichtbahn, in deren Verlauf sich ihr Schatten mehrfach abzeich-net, wie in einem Bewegungsverlauf. Phänomene wie Schattenwurf und Spiegelung im Verbund mit der Malerei machen diese Arbeit zu einer Reflexion über die Bedingungen der Bildwerdung in der Kunst. holger birkholz (aus dem Buch GMKD25)
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